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Foto: Christof Graf
VIII. The Cohenpedia - Leonard Cohen von A - Z
Der Sanfte Moralist ... wird 75
Quelle: Rheinischer Merkur und andere
Es war einmal Leonard Cohen. Viele wissen wenig über ihn.
Die meisten kennen seinen Namen. Und die, die
ihn nicht kennen, kennen zumindest den von ,,Suzanne",
das Lied, das Cohen weltberühmt gemacht hat. Oder
aber sie kennen Cohens Lieder, interpretiert von
anderen Künstlern wie z.B. R.E.M., Elton John,
Jennifer Warnes u.a.
Bereits in den 50er Jahren war der Lyriker und Romancier
Leonard Cohen ein Kult-Dichter der jungen Generation.
Andächtige Konzertreisen und Poesie zwischen
apokalyptischen Vorhersagungen und surrealen
Abstraktionen des Alltäglichen gehören ebenso
zum Repertoire eines Leonard Cohen, wie das
Bedürfnis, immer wieder Liebeslieder zu schreiben.
Auch wenn Leonard Cohens Schläfen grauer
geworden sind, den Mythos des Frauenschwarms
und des letzten Vertreters der Beat-Generation
konnte er von den 60er/ 70er Jahren bis zu
seinem 75. Geburtstag am 21. September 2009
aufrechterhalten.
Als Sohn einer kanadischen Kaufmannsfamilie
jüdischer Abstammung begann Cohen bereits in
seiner Jugend mit der Schriftstellerei. Lange
bevor er sich mit seinen Welthits ,,Suzanne", ,,Bird
On A Wire" oder ,,Lover Lover Lover" einen Namen
in der Popgeschichte machen konnte, erntete
er bereits hohe Anerkennung mit der Veröffentlichung
von Gedichtbänden und eines Romanes in der
Zeit zwischen 1956 und 1968.
Animiert durch Judy Collins, die ihn 1967 in
ihr Vorprogramm beim Newport Folk-Festival ein-
lud, und Bob Dylan, begann Cohen erst als 33
Jähriger seine Karriere als Songwriter.
,,Mit der Schriftstellerei war kein Geld zu
verdienen", sagte Cohen damals, obwohl er
mittlerweile mehrere Hunderttausend seiner
Bücher verkauft hat. ,,Also riet man mir,
meine Texte mit Musik zu vertonen."
,,The Songs Of L.C." (1968), ,,Songs From A Room"
(1969) und ,,New Skin For An Old Ceremony" (1974)
ließen Cohen zu einem der größten Rock-Poeten
der Popgeschichte werden.
Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre erlebte
Leonard Cohen ein Tief. Mit biblischen Texten
verschaffte er sich mit den Alben ,,Recent Songs"
(1979) und ,,Various Positions" (1984) sowie
dem Lyrikband ,,Book Of Mercy" (1984) Luft.
,,Ich hatte nie die Absicht religiös zu schreiben,
aber zu der Zeit umgaben mich viele Depressionen,
sodaß ich gezwungen war, zu beten", so Cohen.
Mit Unterstützung seiner früheren Background-Sängerin und
musikalischen Freundin Jennifer Warnes, die ab den 80er Jahren
ihre Solokarriere verfolgte, gelang mit dem
auf dem 87er Album ,,I'm Your man" enthaltenen
Song ,,First We Take Manhattan" wieder ein Hit.
In Europa stets erfolgreicher als in seinem
Heimatkontinent zementierte Leonard Cohen
seinen Kultstatus mit einer anschließenden
Tournee.
Einen ebensolchen Erfolg feierte Cohen in
den 90ern mit seinem Album ,,The Future" (1992).
Das darauffolgende ,,Cohen-Live"-Album
dokumentiert seine letzten beiden Tourneen.
Melancholie und Pessimismus wird Cohen oft vor-
geworfen. In Wahrheit verkörpert er die
Dichtung in ihrer reinsten Form. ,,Die reinste
Form ist die Unreine. Der Gedanke der reinen
Poesie ist eine sehr romantische. Was man Poesie
nennt, ist das, was sehr genau, von etwas spricht."
Die Musik, mit der Cohen diese Poesie verbindet,
beschreibt er mit einem Schwarz-Weiß-Film.
,,Mein Stimmvolumen ist sehr beschränkt", sagt
der Rock-Poet mit der immer tieferwirkenderen
Stimme, ,,ich gebe Text und Musik mit meiner
Stimme lediglich die nötigen Graustufen."
Inhaltlich sieht sich Cohen damals wie heute
als das objektive Auge der Realität, die er
abbildet. ,,It looks like freedom, but it feels
like death" (Es sieht aus wie Frieden, fühlt
sicher aber wie der Tod an" singt Leonard Cohen
in einem seiner neuesten Songs ,,Closing Time",
und sagt: ,,Vor der Freiheit haben die Leute
eine Scheißangst. Aber es geht letztendlich
darum, daß wir uns in dem Desaster, in dem
wir uns befinden zurechtfinden müssen."
Leonard Cohen, neben Bob Dylan wohl der größte
Songwriter unserer Zeit beschreibt mit seinen
bislang 15 Alben und 12 Büchern stets das
kosmopolitische Ich- und Umfeld und wurde
so zum Sprachrohr einer ganzen Generation.
Leonard Cohen genießt wie gesagt Kultstatus und
sobald er etwas veröffentlicht größte Aufmerksamkeit
in den Medien. Erklären
tut er sich dies jedoch nur damit, daß er ,,über
vier Jahrzehnte über ein und dasselbe schreibt und
erst jetzt erkannt wird, daß er nie mehr als nur
von der Wahrheit gesprochen hat, wenn er in seinen
poetischen Bildern auf die Mißstände dieser Welt
aufmerksam machte." Die Suche nach der Wahrheit
führte ihn nicht erst seit 1994 in ein buddhistisches ZEN-Kloster,
das er bis in diesen Sommer zu seinem festen Wohn-
sitz machte. Als ,,TAFCAC" (The Artist Formely Known
As Cohen, oder auch ,,JIKAN", der ,,Stille") zog sich
der einstige Frauenheld, dessen große Lieben die Schwedin
Suzanne Elrod, die Fotografin Dominique Issermann und
die Schauspielerin Rebecca De Mornay waren, konsequent
aus der Öffentlichkeit zurück und ließ seine Fanschar
über fünf Jahre auf neues Material warten.
2001 meldete sich Cohen nach jahrelanger Abstinenz
mit dem Album ,,Ten New Songs" wieder zurück.
Es folgte ,,Dear Heather" 2004. Doch erst die
dielen (8) Millionen Dollar, die laut einem
Gericht in Los Angeles seine Ex-Managerin veruntreut
haben soll, ließen Cohen wieder in die Öffentlichkeit gehen.
2006 beendete und veröffentlichte er endlich sein
langerwartetes Buch ,,The Book Of Longing".
Im März 2008 wurde er zusammen mit Madonna in die
,,Rock`n`Roll Hall Of Fame" aufgenommen.
Nachdem ihn ,,Lou Reed" als ,,unverzichtbares Juwel"
der Rockgeschichte beschrieben hatte verkündete
Cohen, er würde nach 15 Jahren wieder beginnen, Konzerte zu
geben. Fast zwei Jahre später und etwa 100 Konzerte danach
hatten Leonard Cohen bis zum November 2009
über 2 Millionen Menschen den ,,elder Statesman der Rockpoesie" und letzten
,,Rock-Bohemian des 21. Jahrhunderts" triumphal ,,live in Concert"
gesehen. - Happy Birthday, Leonard".
P.S.: Im Januar 2010 erhielt Leonard Cohen einen Grammy für sein Lebenswerk und kündigte weitere Veröffentlichungen und Konzerte für das laufende Jahr an.
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