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zu IV. Tourneen, Konzerte und Musiker:

a) Die Welttournee 2008/ 2009/ 2010  - Live at the Montreux Jazz - Festival 2008

(Quelle: Christof Graf`s Bücher über Leonard Cohen - ,,Partisan der Liebe" (1996) und ,,Titan der Worte" (2010)

World Tour 2008 / Live in Montreux

Die Geister von Montreux - und das doppelte Comeback: Rockpoet Leonard Cohen bei der 42. Auflage des berühmtesten Jazz-Festivals der Welt - Text & Fotos: Prof. Dr. Christof Graf

Montreux ist für viele Künstler etwas Besonderes. Viele Künstler sind für Montreux etwas Besonderes. Und nur weil dieser unmittelbar spürbare "Geist" in einer unnachahmlicher Symbiose auftritt, wurde das von Veranstalter Claude Nobs (72) im Jahre 1966 ins Leben gerufene ,,Montreux Jazz Festival" zum berühmtesten in der Welt. Zunächst im Jazz-Bereich, dann grenzüberschreitend im Bereich der gesamten populären Musik.

In diesem Jahr stand das Traditionsevent ganz im Zeichen der Moderne, ganz im Zeichen des Zeitgeistes, sämtliche Freiheiten der Interpretation allein schon programmlich zuzulassen. Doch zunächst zur Geschichte des ,,Montreux Jazz Festival", kurz ,,MJF" genannt.

Claude Nobs, der dieses renommierte alljährlich im Juli stattfindende Zwei-Wochen-Festival ins Leben rief, musste nach dem kleinen Desaster im vergangenen Jahr nochmals auf den ,,Thron", um ,,Schlimmeres" für das ,,MJF" zu verhindern.

Hatte man 2006 noch so richtig geklotzt, konnte man 2007 finanziell nur noch kleckern - und das war für das Festival schädlich. Also musste 2008 wieder Claude Nobs heran, der das drohende ,,Aus" geschickt zu vermeiden wusste.

Die Erfahrung des seit Anbeginn agierenden Direktors des dortigen Fremdenverkehrsvereins ist nicht mit Gold aufzuwiegen. Auch dank seiner Tätigkeit als Plattenchef bei Warner Music pilgerten wirklich alle allsommerlich an die Schweizer Riviera des Genfer Sees.

Egal, ob Jazzgrößen wie Miles Davis, Ella Fitzgerald, Aretha Franklin, Count Basie, Charles Lloyd, Keith Jarrett, Oscar Peterson oder Herbie Hancock, egal ob Blues-Legenden wie BB King, Ray Charles, Van Morrison oder John Lee Hooker oder gar Rock-Giganten wie Jethro Tull oder Deep Purple, für sie alle wie auch wie für jazzferne Künstler wie z.B. Mike Oldfield, Peter Tosh, Korn oder gar Pete Doherty und seine Babyshambles, für sie alle ist das ,,MJF", Montreux selbst und der Lac Léman, wie der Genfer See auch gerne von ,,Nicht-Genfern" genannt wird, etwas Besonderes.

So besonders, dass sich auch Künstler wie z.B. Phil Collins um den See herum angesiedelt haben, um in dem gemässigten mediteranem Alpenklima zu leben. Ein anderer, Jim Beech, der Manager von Queen, baute in Montreux gleich ein Studio, um dort die Alben seiner Band aufzunehmen und um auch anderen Bands die sogenannten "Mountain Studios" zugänglich zu machen. Freddy Mercury lebte nicht nur in Montreux, er starb dort auch. Mit dem Blick auf den See, hoch oben in einem Berghotel, verschied er am 22.11.1991 im Kampf mit dem Aids-Tod, quasi ,,live in Montreux".

Weniger morbide agierte David Bowie, der 1995 für das ,,MJF" das Festivalplakat malte.

In ganz besonderer Art und Weise ist das ,,MJF" in einem der berühmtesten Rocksongs, ,,Smoke On The Water" von Deep Purple, in die Musikgeschichte eingegangen. Auf Vermittlung von Nobs kommt 1971 die Rockband Deep Purple nach Montreux, um Plattenaufnahmen zu machen. Diese sollen im Casino von Montreux, dem damaligen Konzertsaal des Festivals, stattfinden. Am Abend zuvor spielte dort Frank Zappa ein Konzert, als ein Feuer ausbricht und das gesamte Casino abbrennt. Deep Purple werden Augenzeugen und schreiben danach den Welthit ,,Smoke On The Water":

"We all came out to Montreux on the Lake Geneva shoreline", schreit sich da Vocalist Ian Gillan aus dem Hals, wenn er den Alltime-Klassiker ansingt. ,,To make records with a mobile/ We didn't have much time / Frank Zappa & the Mothers were at the best place around / But some stupid with a flare gun burned the place to the ground / Smoke on the water - A fire in the sky". Deep Purple konnten beobachten, wie sich Rauch über dem Genfer See ausbreitete, woraus letztendlich dieser Song wurde. Claude Nobs soll Besuchern und Künstlern aus den Flammen geholfen haben und sein eigenes Leben nicht vorangestellt haben. Haben wir schon erwähnt, dass Nobs auch das erste Rolling Stones-Konzert außerhalb deren Heimat England organisierte?... Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

Soviel zur Geschichte über Claude Nobs ,,Montreux Jazz Festival", welches er in den 90ern für einige Zeit zusammen mit Quincey Jones leitete.

2008 schien aber wieder alles wie früher und die alten und neuen Legenden gaben sich binnen 16 Festivaltagen die Bühneneingangstürklinken in die Hände. Das Auftaktwochenende stand ganz im Zeichen starker Frauen: Joan Baez, K.D. Lang, Sheryl Crow und Sophie Hunger. Montags drauf war es ,,A Blues Night With Gary Moore, Otis Taylor, Buddy Guy und John Mayall & The Bluesbreakers", die dem Festival dem im Vorjahr etwas abgeblätterten Glanz zurückgaben. Was danach folgte entsprach der üblichen Aneinanderreihung von großen Namen und Newcomern der Musikbranche. Paul Simon trat ebenso gefeiert auf wie ,,Gnarls Barkley". Nazareth und Saxon heizten eher heavy ein, während Simply Red-Gründer Mick Hucknall mehr den Kaffeehaus-Blues inszenierte. Lenny Kravitz, Katie Melua und wieder einmal Deep Purple rundeten das Mammutprogramm mit einer "Quincy 75th Anniversary Celebration" ab.

Doch der eigentliche Höhepunkt war der Auftritt eines längst verloren Geglaubten, eines vielleicht nicht mehr Zurückkehrenden, eines dennoch Unvergessenen, dessen Auftritt ebenso ersehnt wie überraschend war: Leonard Cohen. Der ,,Gott im schwarzen Anzug", wie ihn die Schweizer Presse feierte, der am 8. Juli im Auditorium Stravinski auftrat. Cohen war seit 1993 nicht mehr auf Tournee und rief ebenso unerwartet wie plötzlich 2008 eine Welttournee aus.

Nach über 15 Jahren Konzertpause betrat die kanadische Singer/ Songwriter-Legende und Rockpoet wieder die Bühne und vermeldete nach Bekanntgabe der ersten Europadaten Verkaufsrekorde: 25.000 verkaufte Tickets innerhalb von 30 Minuten für das Konzert in Dublin, 12.000 verkaufte Tickets an einem Tag für die Show in London.

Die Welt hatte also eines der außergewöhnlichsten Originale der Rockgeschichte wieder. Im März diesen Jahres wurde Leonard Cohen letztendlich viel zu spät in die Rock`n`Roll Hall Of Fame aufgenommen. Seine Heimatstadt widmete ihm ebenfalls in diesem Jahr während des ,,Montreal Jazz Festival" eine Hommage in Form eines ,,Tribute-Konzertes". Die Welt hatte nach der selbstgewählten Abstinenz Cohen wieder. Egal, ob seine Musik oder seine Literatur, die aufschlussreichsten Publikationen des 20. und 21. Jahrhunderts über Melancholie, Liebe, Sex und Tod stammten und stammen aus seiner Feder. Er schaffte es mit Songs wie ,,Suzanne", ,,So Long Marisanne" oder ,,Lover Lover Lover" das Lebensgefühl der 60er/ 70er Jahre in Emotionen zu kleiden, ohne dass sich auch die Musik- und Musikergenerationen danach dem Bann seiner schmerzvoll-schönen Melancholie entziehen konnten.

Es schien plötzlich, als wäre er nie weggewesen. Es war ein ,,échos dùne nuit de mélancolie poétique", wie es das Genfer Blatt ,,Le Temps" beschrieb.

Leonard Cohen, dessen musikalische Karriere ebenso lange andauert, wie es das ,,MJF" gibt, wusste im ,,hohen" Alter von bald 74 Jahren mit einem fast dreistündigen Konzert zu überzeugen.

Nachdem er und seine zehnköpfige Begleitband den Opener ,,Dance Me To The End Of Love" angestimmt hatte, setzte ein nichtstoppender Applaus ein. Am Ende bedankte sich Cohen mit den Worten: ,,Als ich das letzte Mal in der Schweiz war, war ich 60. Damals war ich noch ein kleiner Junge im Vergleich zu heute und hatte den Kopf voller verrückter Ideen". Doch das war erst der Anfang und die verrückteste Idee sollte es nicht gewesen sein, in Montreux aufzutreten. Ein Ort übrigens, an dem Cohen schon öfters konzertierte.

Bedeutsam in Bezug auf Leonard Cohen ist das "MJF", weil Cohen bislang schon zum dritten Mal dort aufgetreten ist. Leider gab es davon nie offizielle Veröffentlichungen und jeweils nur Live-Übertragungen auf den Schweizer Radiostationen, die die Konzerte ganz oder teilweise sendeten, und die so Grundlage für einige Bootlegs wurden. Aus dem `76er ,,MJF"-Auftritt wurde 1993 die CD ,,Live in Montreux, June 25 1976" (Yell Cat Records, Luxembourg), und das 1985 ebenfalls vom Schweizer Radio (DRS3) als Aufzeichnung gesendete Konzert vom 9. Juli 1985 führte gleich zu mehreren Bootleg-Varianten: ,,Diamonds In The Minefield" und ,,Heart Housed In Thorn-Bush".

Der Auftritt Cohens beim ,,10. Montreux Jazz Festival" hatte darüber hinaus etwas zusätzlich Besonderes: Er präsentierte dort mit ,,Storeroom" einen unveröffentlichten Song, der nur auf seiner 76er Tournee zu hören war. Bevor er damals den Song anstimmte, erklärte er dessen Bedeutung in Montreux mit den Worten: ,,Der Storeroom ist für mich der Ort, woher alles kommt".

Anmerkungen und kleine Ansprachen an sein Publikum, bei denen sich Leonard Cohen immer wieder mit einer tiefen Verbeugung und dem Ziehen seines Hutes bedankte, gab es 2008 en masse. Das Publikum wiederum dankte es mit frenetischem Applaus und sog Note für Note, Zeile für Zeile, Strophe für Strophe und Lied für Lied des 25 Songs enthaltenden Auftritts in sich auf.

Das Schweizer Blatt ,,Le Temps" überschrieb seine positive Konzertkritik weiter mit ,,Le Retour de la vieille âme". Die Zeitung ,,20 Minuten" sprach gar zweimal vom ,,Gott im schwarzen Anzug" und meinte: ,,Er ist der grösste Headliner des diesjährigen Jazzfestivals" und ,,france24.com" komplettierte das Hohelied: ,,Leonard Cohen shows Montreux that he`s still the man". Die gesamte Presse feierte den Montreux-Auftritt ausnahmslos begeistert. Zu Recht, denn Cohen wusste von Anbeginn zu überzeugen und zu überraschen, in dem er immer wieder entweder kniend einige seiner Strophen geradezu zu beten schien oder andere mit geballten Fäusten gen Himmel schrie. Bereits nach den weiteren Songs wie z.B. ,,The Future", ,,Ain`t No Cure For Love" oder gar ,,Like A Bird On a Wire" wird deutlich: Dies ist kein Konzert mehr, sondern vielmehr ein wahrer Gottesdienst zu Ehren der Rockpoesie. Hohepriester ist Leonard Cohen selbst.

,,Give me back my broken night, my mirrored room, my secret life" spricht er und singt später mit extrem tiefem Bariton ,,Give me back the Berlin wall, give me Stalin and St. Paul, I`ve seen the future, brother: it is murder". Wem sonst, wenn nicht Leonard Cohen nimmt man derartige Prophezeiungen auf Anhieb ab. Zusammen mit den ,,Webbsisters", neben Sharon Robinson zwei weiteren Backgroundsängerinnen, schreien und hauchen sie abwechselnd ,,Repent" ins Mikrofon. Aber Cohen bereut nichts. Mit gekonnt ausgwählten Worten fasst er in einer kurzen Rede seine lebenslange Suche nach Erfüllung zusammen. Aber bereuen tut er nichts. Weder seine wiederholten Rückzüge aus der Branche, noch seine jahrelangen Aufenthalte in einem Zen-Kloster auf dem Mount Baldy, nahe Los Angeles oder in Indien. Sein längster Klosteraufhenthalt waren 9 Jahre von 1994 bis 2003 und sein längste Branchenflucht währte 15 Jahre von 1993 bis 2008 mit ganz kleinen und kurzen Ausnahmen anlässlich diverser Veröffentlichungen wie z.B. des ,,Ten New Songs"-Albums im Jahre 2001 oder des langerwarteten Buches ,,The Book Of Longing" bei der New Yorker Buchmesse 2006. Aber Cohen bereut nichts. Weder sein Vertrauen in seine Ex-Managerin, die ihn offenbar um seine Altersrente brachte, noch seine Frauengeschichten. Für Cohen scheinen die Rückschläge wie erfolgreiche Comebacks zu seiner Erfüllung dazu zu gehören. Cohen bereut nichts.

Cohen ist eben anders. Und die vielen klischeebeladenen Beschreibungen des wohl letzten großen Rockpoeten nach Bob Dylan, die man immer wieder zu lesen bekommt, wenn Feuilletonisten meinen, Leben und Werk in 80 bis 100 Zeilen zusammenfassen zu können, werden Cohen nicht gerecht. ,,Vom Exzentriker zum Mönch" oder ,,Lebemann der Melancholie" wirken eher inkompetent und falsch verstanden.

"And everybody knows that it`s now or never/ Everybody knows that it`s me or you/ And everybody knows that you live forever" singt Cohen in dem Song, den er zusammen mit Sharon Robinson schrieb. Zuvor rezitiert er die Zeilen der ersten Strophe in französischer Sprache. Sehr bedächtig geht es dann mit ,,In My Secret Life", "Who By Fire" und ,,Hey That`s No Way To Say Goodbye" weiter, bevor er mit ,,Anthem" sein Publikum in eine etwa 20minütige Pause entlässt.

,,I was born with the gift of a golden voice" ist nicht etwa eine Zeile eines Ray Charles-Songs, sondern eine Zeile aus Leonard Cohens ,,Tower Of Song", jenem Song aus dem 88er Erfolgsalbum ,,I`m Your Man", aus welchem er noch weitere Songs wie z.B. den Titelsong und ,,First We Take Manhattan" singen wird und welcher sein Lebenswerk wohl am besten widerspiegelt.

Doch zunächst stimmt er die wohl berühmtesten seiner Zeilen an: "Suzanne takes you down to her place near the river/ You can hear the boats go by" und die Halle murmelt wie gespenstisch weiter: ,,You can spend the night beside her/ And you know that she`s half crazy". Wenn das Auditorium bis dahin nicht schon einer ,,Kirche" gleichkam, so war es spätestens jetzt ein Tempel. Ein Tempel der gelebten Rockpoesie, ein Hort für all jene, die mit Cohen zusammen über 40 Jahre diese Zeilen zum Soundtrack von Gefühlen machten, die kaum ein anderer derart zu prononcieren weiß, wie ein Leonard Cohen. Fast Mantra-artig wirken die sonoren Timbres mit fast hypnotischer Wirkung. Und das wie eine große Jünger-Schar wirkende Publikum weiß um die Präzision jedes ausgesprochenen Wortes, sei es (wie bei ,,Suzanne") von Cohen selbst auf der akustischen Gitarre vorgetragen oder mit der vielköpfigen Band modernst und unaufdringlich arrangiert.

Cohen scheint wie nie zuvor die Nuance im Detail eines jeden Songs geradezu zu suchen, um sie treffsicher zu höchstem Ausdruck zu bringen. Gerade bei den darauf folgenden ,,Gypsy Wife" and ,,Boogie Street" wird der ,,Tower" zum ,,Temple of Song". Das sich daran anschließende "Hallelujah" ist dann die Krönungsmusik zur Inthronisierung Leonard Cohens. Nach allen Stücken zieht er jeweils den Hut, den Hut vor seinen Jüngern und den Hut vor seiner Begleitband, deren Musiker er immer wieder einzeln inszeniert vorstellt. Ergebnis: Das Publikum ist gerührt und fassungslos zugleich, nach so langer Zeit ein derartiges Konzertereignis noch mal erleben zu dürfen. Aber auch Leonard Cohen ist gerührt. Manchmal grinst er, manchmal lächelt er verschmitzt und manchmal scheint eine Träne der Rührung in den Augen erkennbar zu sein. ,,Democracy" und ,,I`m your Man", zwei etwas schnellere Uptempo-Nummern, lassen die heiligen Momente im Tempel der Lieder von Montreux etwas lauter werden...

... bevor es dann plötzlich wieder ganz, ganz leise wird. "Ich danke Euch, dass ihr meine Lieder über so viele Jahre am Leben erhalten habt", haucht er ins Mikrofon. Dann nimmt Cohen sich die Freiheit ganz auf Musik zu verzichten, als er beginnt ,,A Thousand Kisses Deep" nicht als Song zu singen, sondern als Gedicht vorzutragen. Bei den etwa 5000 zusammengekommenen Zeugen im Auditorium dieser Andacht herrscht absolute Ruhe, Gespanntheit auf jedes Wort und Fassungslosigkeit angesichts der Wirkung dieser gesagten Worte. Mit ,,Take This Waltz", einer wieder gesungenen Hommage Leonard Cohens an seinen Lieblingsdichter Federico Garcia Lorca, endet eine zweistündige Zeremonie des inszenierten Wortes.

Zwei Zugabeblöcke ,,So Long Marianne" und First We Take Manhattan" sowie ,,Sisters Of Mercy" und ,,If It Be Your Will" holen den Zeremonienmeister in den Tempel des akzentuierenden Lied- und Wortgutes zurück. Am Ende von ,,Closing Time" hüpft Cohen wie ein kleiner Junge, fröhlich lachend und den Hut ziehend, geradezu verzückt von der Bühne, um sich sichtlich vergnügt dankbar zu verabschieden.

Nach fast drei Stunden "versucht" er mit dem bluesartigen "I Tried To Leave You" dem im Publikum mittlerweile herrschenden tranceähnlichen Zustand der Begeisterung zu entfliehen. Mit dem gospelhaften "Wither Thou Goest" gelingt es schließlich. Die zuvor gehörte Zeile: "I hope you are satiesfied" traf mehr als zu. Die Jünger konnten nunmehr die Rückkehr ihrer Pilgerfahrt aus dem Mekka der Wort- und Liedkunst berührt und beseelt antreten.

Sein Haar mag grau geworden sein, aber seine Freunde sind nicht alle gegangen. In Montreux kamen sie alle zusammen, um dem zu huldigen, der die ,,Tower Of Songs" zu ,,Tempeln von Hoheliedern" zu machen in der Lage ist. Leonard, auch wir versuchen dich zu verlassen, schaffen es aber genau so wenig. - "Wither Thou Goest". "With all our people I will march/ Thy People shall be my people".

Irgendwie wird Montreux das Besondere nicht los, auch wenn es im Mekka der Mega-Kultur auch zunehmend Engpässe zu geben scheint. 18 Millionen Franken verschlingt das 16-Tage-Festival. Die teuersten Tickets waren die von Leonard Cohen. 350 Franken musste man für die vordersten Reihen bezahlen. 140 Franken kosteten die billigsten. Doch nur 42 % der Gesamtkosten werden durch den Ticketverkauf abgedeckt. 25 % durch Sponsoring. 20 % kommen aus den Erlösen der Gastronomie. Der Rest, so ca. 7 % wird dadurch erwirtschaftet, womit Claude Nobs seit 42 Jahren die Künstler ködert. Neben dem dort einzigartig fühlbaren Geist ist es nämlich die Möglichkeit der Künstler, ihre Konzerte in bester Hightech-Qualität mitzuschneiden, und damit ,,kostengünstig" und ohne große Aufwendungen ,,Live-Alben" zu produzieren. Ein neuer Ansatz, das ,,MJF" weiterhin am Leben zu erhalten, ist das ,,Outsourcing" des ,,Montreux Jazz Cafés" welches im Franchise-Konzept u.a. schon am Genfer Flughafen betrieben wird. Aber das ganz Besondere wird hoffentlich bald der ,,Live in Montreux"-Mitschnitt des Leonard Cohen-Konzertes 2008 sein.

Das für Ende August geplante Konzert in Berlin ist aus logistischen Gründen abgesagt worden

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