Christof Graf `s - leonardcohen.de - websites

Alles über L e o n a r d  C o h e n  von A - Z - Das  C O H E N P E D I A

Foto: Christof Graf

VIII. The Cohenpedia - Leonard Cohen von A - Z

(Quelle: Christof Graf`s Bücher über Leonard Cohen - ,,Partisan der Liebe" (1996) und ,,Titan der Worte" (2010)

C

Cash, Johnny

Johnny Cash, Leonard Cohen, Bob Dylan

und das Ende der "American Recordings"

oder das Comeback des "Man in Black"

von Christof Graf in Hörerlebnis Nr. 72

Was haben diese so selten gewordenen Singer/ Songwriter wie Johnny Cash (geb. 26.2.1932- gest. 12.9.2003), Leonard Cohen (geb. 21.9.1934) oder Bob Dylan (geb. 24.5.1941) eigentlich gemeinsam? Alle nehmen bzw. nahmen fünf Jahrzehnte lang Songs auf, gingen unaufhaltsam auf Tournee und ihren Weg, durchschritten - nicht nur bildhaft gesprochen - die höchsten Berge und die tiefsten Täler des Lebens und sind einfach nur da. In deinem Plattenschrank (sowieso), im CD-Player im Auto oder auf dem MP3-Player und dem I-Pod, im Radio oder im Fernsehen. Man liest über sie im Internet, in Zeitungen, Zeitschriften oder sogar ganz "old- school-like" in Büchern. Egal ob, Leonard, Neil, Lou oder Bob, sie sind immer mit uns.

Nur einer von ihnen ist es nicht mehr, aber dennoch immer noch da. Der, der als einziger von allen Genannten gleichzeitig in der "Rock ´n `Roll" - , der "Songwriter" - und der "Country"-Hall-Of-Fame vertreten ist, ist nunmehr mit dem Abschluss seiner "American Recordings"-Serie in Form des 7. Albums namens "American VI: Ain`t No Grave" omnipräsenter denn je. "The Man in Black" is back.

Der Mann, der in 50 Jahren über 1000 Songs aufgenommen hat, (100 davon hinterließ er als Vermächtnis seiner Tochter Rosanne Cash), avancierte zum größten Country-Sänger aller Zeiten. Doch der Mann, der am 12. September 2003, vier Monate nach seiner Frau June, verstarb, scheint nicht sterben zu können. Sieben Jahre nach seinem Tod beendet sein junger Mentor Rick Rubin sein Spätwerk und veröffentlich die letzten Aufnahmen eines bereits todkranken Mannes im Rollstuhl mit brüchiger Stimme. Entstanden ist ein Album mit zehn letzten Grüßen eines Mannes, der dem Tod auch schon zu Lebzeiten mit Würde und Respekt Tribut zollte. Und dafür ist auch seinem Produzenten Rick Rubin Tribut zu zollen. Fernab von etwaigen kommerziellen Motiven geht es hier doch zunächst darum, das zu retten, was so rar geworden ist. Gutes Singer/ Songwritertum mit andächtiger Stimme und Performance, welche Johnny Cash ein drittes Comeback und seine vierte Karriere bescheren.

Zunächst beginnt Cash in der 50er Jahren als Country-Sänger und feierte erste Erfolge mit Hits wie "That`s All Right". "Folsom Prison Blues" wird sein größter Erfolg. In den 60ern machten ihm Drogenprobleme zu schaffen; er hatte trotz Drogen jedoch die kreativsten Phasen. In "Ride This Train" verschafft er dem Zuhörer eine imaginäre Zugreise durch die Vereinigten Staaten. Zur Recherche für das Album "Ballads Of The True West" begibt er sich zu Fuß durch die Wildnis. Auf "Bitter Tears" setzt er sich für die Belange der Indianer ein. Er wird zu einer Gallionsfigur für die Country- und Folk-Szene, die Mitte der 60er begann, zur Folk- und Protest-Rock-Bewegung um Figuren wie Pete Seeger, Joan Baez und damals noch Bob Dylan zu werden. Mit letzterem entstand auf dem Album "Orange Blossom Special" eine besondere Freundschaft, die dazu führte, dass er darauf drei Dylan-Songs aufnahm. Dylan revanchierte sich später damit, indem er Cash einlud, auf "Nashville Skyline" mitzuspielen und die Liner Notes zu schreiben. Cash bekam dafür sogar einen Grammy.

Cashs Aufstieg ging mit seinem zunehmenden Drogenkonsum einher. Nur seine Frau June Carter verhalf ihm zeitweise zu Bodenhaftung. Erst 1968 wendet sich das Blatt wieder mit dem legendären "Live"-Album "At Folsom Prison", aufgenommen vor tobenden Knastbrüdern im kalifornischen San Quentin-Gefängnis. 1971 wurde er mit seinem Song "Man In Black" zum Mythos. Danach gab es unzählige Hochs und Tiefs in Cashs Karriere. Die markanteste Wende ergab sich 1993, als der Hippie-Produzent Rick Rubin auf Cash zuging, um ihn zu fragen, ob er ihn produzieren dürfe. Cash verneinte. Doch der Mann, der Bands wie die Hardrock-Recken Slayer und Danzig oder auch die Beastie Boys, Run DMC oder die Red Hot Chili Peppers produziert hatte, gab nicht auf. Rubin meinte nur: "Johnny, du bist für mich ein Outlaw und du verkörperst für mich den reinen Rock`n`Roll". - "Damit gab mir Rick etwas, von dem ich nicht mehr glaubte, dass ich es hatte", gestand Cash später und willigte ein, was Rubin vorhatte: Cash nur mit seiner Gitarre aufzunehmen und ihn seine Lieblingslieder singen zu lassen. "Nichts ist authentischer, als Cash dabei zuzuhören, wenn er die Lieder seines Lebens zu spielen beginnt", bringt Rubin damit alle Songs sämtlicher "American Recordings", wie auch das erste Album 1994 schlichtweg hieß, auf den Punkt. Darauf singt Johnny Cash die Lieder der neuen Generation ohne in den Verdacht zu geraten, sich anbiedern zu wollen. Aber neben jungen Künstlern sind auch von Cash so geliebte Helden wie Leonard Cohen dabei, denen er mit Coverversionen wie "Bird On A Wire" zu huldigen wusste. Cohen lernte er durch den Plattenproduzenten Bob Johnston kennen, der in den 60ern Cohen, Dylan und viele andere aus der Folk-, Rock- und Blues-Szene produzierte.

Nach "Unchained" (1996), dem zweiten Album dieser Art, erkrankte Cash an Diabetes und einer schwer diagnostizierbaren Nervenkrankeit. Doch Cash gab nicht auf. "American III: Solitary Man" (2000) und "American IV: The Man Comes Around" (2002) ließen Cash endlich das sein, was er eigentlich schon immer war: eine Legende zu Lebzeiten, die unendlich viele Geschichten voller Authentizität zu erzählen wusste. Auf "The Man Comes Around" kokettiert Cash gar mit dem Tod, wenn er Populäre Musik aus allen Schaffenszeiten des letzten Jahrhunderts interpretiert. Die Fünf-CD-Box "Unearthed" (2003) sollte die ultimative Lebensschau werden, auf der sich auch Weggefährten aus der Ferne musikalisch einfanden, wie z.B. Nick Cave. Das posthum veröffentlichte "American V: A Hundred Highways" (2006) beendete schließlich diese "amerikanische Sammlung amerikanischer Lieder eines amerikanischen Geschichtenerzählers".

2010 erscheinen mit "American VI: Ain`t No Grave" nun wohl ein allerletztes Mal noch einmal einige Aufnahmen, die scheinbar wie aus dem Jenseits den alten Mann mit dem weißen schütteren Haar unsterblich machen möchten und ihm ein letztes Comeback und eine vierte Karriere, die nunmehr erste nach seinem Tod, beschert. "I`m going over Jordan/ I`m just going over Home" sang er einst auf "Solitary Man", was nicht das einzige Augenblinzeln eines sterbenden Mannes bleiben sollte. In "We`ll Meet Again" besang er einst seinen eigenen bevorstehenden Tod. Jetzt begrüßt er uns auf "Ain`t No Grave" mit einem hawaiianischen "Aloha Oe".

Spätestens jetzt wissen wir, was ihn von anderen unterscheidet: "I`d love to wear a rainbow everyday/ And Tell The World that everything `s okay/ But I`ll Try to Carry Off A Little Darkness on my back"/ Till Things Are Brighter I`m The Man in Black".

back to the

- C O H E N P E D I A -

sitemap (inhaltsverzeichnis)

or

back to www.leonardcohen.de