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Foto: Christof Graf

VIII. The Cohenpedia - Leonard Cohen von A - Z

(Quelle: Christof Graf`s Bücher über Leonard Cohen - ,,Partisan der Liebe" (1996) und ,,Titan der Worte" (2010)

D

Depeche Mode

DM-Mitbegründer über Leonard Cohen in einem Gespräch mit dem Autor: Leonard Cohen's Musik zähle ich zu

meinen größten musikalischen Einflüssen. Auch wenn das etwas seltsam klingen mag, für einen Gitarristen  und Songwriter einer Elektro-Band wie Depeche Mode.  Ich mag Cohens emotionales Level, außerdem  unterstelle ich ihm, ähnlich zu arbeiten wie wir. Zunächst erfasst du einen Song mit Gitarre oder Piano, legst das Fundament eines Liedes, erst danach gehe ich daran, ihn mit elektronischen Instrumenten zu würzen. Egal, welche von den großen Songwritern wie z.B. Leonard Cohen, Bob Dylan oder Lou Reed betrachtet, sie machen nie den Fehler, ihre Songs zu überladen.

Aber bevor wir vielleicht irgendwann noch einmal an einen Cohen-Song gehen, veröffentlichen wir auf der zweiten Single-Auskopplung einen alten

,,Stooges"-Song als Bonus-Track.

Mehr über das ganze Gespräch im Folgenden:

,,Elektronischer Blues" als Stil der Neuzeit

Depeche Mode mit neuem Album auf Tournee

Text & Fotos: Christof Graf

Mit kurzlebigen Moden, wie ihr Name suggeriert

Haben Sie nichts zu tun. Depeche Mode sind

nunmehr in der dritten Dekade ihres Bestehens

Garant für innovative und kunstvolle Popmusik.

Der Mythos, avantgardistische Vorreiter zu sein

liegt im faszinierenden Singer/ Songwriter-Gespann

Dave Gahan und Martin Gore und einem die

musikalische Chemie abrundenden Andrew Fletcher

begründet. Drei Musiker, die sich seit Jahren über

flüchtige Trends hinwegsetzen. Mit ihrem neuen

Album ,,Exciter" gehen Depeche Mode im Herbst

wieder auf Deutschlandtournee.

Wie beschreiben Depeche Mode die Art

ihrer Musik im Jahre 2001 ?

Martin Gore: Depeche Mode werden immer

wie Depeche Mode klingen, aber ich denke, das neue

Album geht etwas weg von dem leicht düsteren

Charakter, hin zu einer gewissen fröhlichen und

weitaus optimistischeren Leichtigkeit. Darüber hinaus

war es äußerst inspirierend das Album an drei

verschiedenen Orten, in Kalifornien, in New York

und in London aufzunehmen. Man geht aus dem

Studio und hört die Songs an verschieden Stellen

unterschiedlich. Das ist, als wenn Du an drei

Häusern gleichzeitig baust und jedes von den

Fortschritten des anderen zehrt.

Können Sie einige der neuen Songs mit

eigenen Worten beschreiben?

Andrew Fletcher: Dave ist stimmlich viel

reifer geworden. Seine Stimme kann sich

viel mehr in die Songs einbringen als früher,

was insbesondere den langsamen Stücken

zu Gute kommt. ,,Dream On" hat Hit-Charakter.

,,The sweetest condition" z.B. beschreibt

unsere Vorstellung von zeitgenössischer

Popmusik: viel Rhythmus, tiefe Grooves,

durchzogen von psychodelischen Sounds. Und

dann gibt`s da noch sehr emotionale Songs

wie ,,When the body speaks" oder auch

,,Goodnight lovers", bei denen uns Textzeilen

wie ,,When you`re born a lover you`re born

to suffer" faszinieren, in denen sich

Dave sehr einbringt. Außerdem gibt es z.B.

noch ,,Breathe", der von Martin Gore gesungen

wird.

Dave Gahan: Jeder Künstler verkauft das

aktuelle Produkt jeweils als ,,sein bisher

Bestes". Aber in diesem Falle empfinden wir

auch so, weil es Depeche Mode in einer

regenerierten Phase darstellt.

Obwohl Depeche Mode als Band agiert,

interpretiert der Sänger die Songs eines

anderen. Wie geht Dave Gahan mit dem

"fremden" Songgut um?

Dave Gahan: Martin schreibt fantastische

Songs, voller musikalischer Tiefe und

anschaulichen Bildern in den Texten.

Es sind Themen, die jeden ansprechen,

und die ich gut interpretieren kann, weil

sie glaubhaft sind. Martin ist wie ein

,,brother in soul" zu mir, es ist, als würde

er Songs für meine Stimme schreiben.

Wenn Martin z.B. über Liebe schreibt,

habe ich das Gefühl, sie mitzufühlen.

Wenn Liebe dabei wie eine Reise beschrieben

wird, ist Martin der Zug, in den ich steige,

um diese Reise anzutreten.

Martin Gore: Meine Stimme könnte diese

Songs nie so aggressiv rüberbringen. Dave

hat da genau das, was ein Rocksänger braucht:

Unverwechselbarkeit und Gewicht. Er gebraucht

seine Stimme wie ein Instrument und ich

schreibe lediglich die Noten für das Instrument.

Was macht Ihrer Meinung den Kult-Charakter

von Depeche Mode aus?

Dave Gahan: Etwas, worauf eine Band dieses

Status nie verzichten kann, andererseits auch

nicht wirklich darauf Einfluß nehmen kann: die

ungeheure Fan-Base, die einem treu ergeben ist.

Martin Gore: Depeche Mode haben sich immer den

Luxus geleistet, sich keinen Trends anzupassen.

Andrew Fletcher: Wir haben nie die Punk- und

Indie-Ideale unserer Anfangszeit aus den Augen

verloren.

Gerade in den 90er Jahren hatte man oft den Ein-

druck, Depeche Mode bewegen sich am Rande

ihrer Existenz. Was bewegte die Band dennoch

weiterzumachen? Geld kann es nicht gewesen

sein?

Andrew Fletcher: Geld ist es nicht, wohl eher er

Reiz sich tatsächlich am Rande eines tiefen Abgrundes

oder auf einem Drahtseil zu bewegen und zu

schauen, ob man die Balance halten kann.

Dave Gahan: Meine Probleme zu Beginn der

90er Jahre sind bekannt. Wenn Du aber dann

das Gefühl hast, diese Probleme im Griff zu

haben, willst Du nichts anderes mehr, als diese

verlorene Zeit aufzuholen. Bei der `93er Welt-

tournee machten wir den Fehler, uns zu ver-

schleißen. Jetzt geht es darum, die Ressourcen

sinnvoll einzusetzen, und die Chemie in der

Band ist besser denn je.

Hat die Band auf Tournee die Möglichkeit auch

etwas mehr von einer Stadt, als nur die Halle, in der

Sie auftreten, zu sehen?

Andrew Fletcher: Früher reisten wir um die

Welt ohne sie zu sehen. Von der einen Halle und

Hotel zum nächsten. Dieses Mal wollen wir

etwas mehr Zeit für Sightseeing und Shopping

einplanen.

Martin Gore: Ja, noch dazu weil wir z.B. wie in

Istanbul Orte besuchen, in denen wir noch nie waren.

Depeche Mode galten immer als eine innovative

Band. Wie stehen Sie zu den Vorgängen bei

dem Musik-Internetanbieter Napster?

Andrew Fletcher: Die Vision, Musik direkt über

das Internet zu vertreiben ist so alt wie das www

selbst und mit Sicherheit keine schlechte. Aber

solange das Problem der Urheberrechte nicht

gelöst ist, wird sich jeder Künstler dagegen

wehren, tatenlos mit anzusehen, wie sein

geistiges Gut vermarktet wird, ohne daß er

auch nur eine Mark dafür sieht. Wenn also

irgendwann diese Frage beantwortet ist,

ist diese Form des Vertriebes eine der Zukunft.

Dave Gahan: Wir kommen aus einer Generation,

in der sich die Leute noch auf traditionelle

Weise ihre Alben im Laden kauften. Bootlegs

dagegen gab es schon immer, und eine Band,

von der es keine Bootlegs gab, war nicht angesagt.

Die Zahl der angebotenen Bootlegs dokumentierte

immer etwas wie den indeellen Marktwert einer

Band. Doch Bootlegs sind immer Produkte für

eine Minderheit, da sie aufgrund schlechter

Tonqualität nur für Hardcore-Fans interessant

sind. Wenn du aber als Künstler zusehen mußt,

wie deine eigenen hochqualitativen Produkte

piratenhaft gehandelt werden, mußt du dich

dagegen wehren. Doch die Vertriebsform an sich

lehne ich nicht ab, im Gegenteil, sie wird früher

oder später die klassischen Vertriebsformen

verdrängen.

Martin Gore-Interview 2001

Welchen Beruf hätten Sie ergriffen, wenn Sie nicht

Musiker geworden wären? Könnte man sich auch

einen Martin Gore z.B. als Bankkaufmann vorstellen?

Martin Gore: Keine Ahnung, wohl eher nicht. Schon

als ich die Schule verließ, verspürte ich einen inneren

Drang mich auch beruflich mit Musik zu beschäftigen.

Obwohl meine Mutter dagegen war, begann ich in

einem Plattenladen zu jobben und kaufte mir nach

drei Monaten meinen ersten Synthesizer. Ich weiß

nicht, ob man das den Beginn meiner Karriere

nennen kann, aber es kam definitiv nichts anderes

in Frage als Musiker zu werden.

Was für ein Synthesizer war es gewesen?

Martin Gore: Ein Yamaha SX 5, ein recht billiges

Teil.

1998 erschien das Tribute To Depeche Mode-Album

,,For the masses", auf dem so unterschiedliche

Künstler wie ,,The Cure", ,,Smashing Pumpkins"

oder auch die ,,Deftones" Depeche Mode-Songs

Covern. Wie kommt es, daß eine Elektro-Pop-Band

auf so viele Bands verschiedener Stilrichtungen

Einfluß genommen hat?

Martin Gore: Es ist naheliegend, daß wir die Detroit

Techno-Szene oder Chicago House-People beeinflußten,

aber es ist fantastisch, daß wir scheinbar auch viele

Alternative-Rockband und die Hardcore-Rocker

inspirierten. Etwas schöneres kann man sich als

Musiker nicht vorstellen. Aber ich denke, die Vielfalt

von den von uns inspierierten Bands ist nicht

auf unsere Musik allein zurückzuführen, sondern

darauf, wie wir Musik machen. Man schaut auf das

Songwriting, auf den Aufbau eines Songs und das

ehrt mich.

Depeche Mode galt immer als eine Art ,,avantgardistischer

Vorreiter" in der Popwelt. Mittlerweile überholt

sich die Musikszene selbst. Welche Rolle nimmt

Depeche Mode 2001 darin ein und in welche

Richtung geht die Musikszene in der nächsten Dekade

nach dem Stile-Overkill in den 90ern?

Martin Gore: In den 80ern waren wir in der Tat die

Vorreiter des Elektro-Pop, wir waren es, die die

Synthesizer und synthetischen Gitarren in die Popmusik

brachten. In den 90ern gehörte das zum guten Ton,

was in den 80ern geradezu verpönt war und wir

dafür kämpfen mußten. Aber nachdem genau das,

was zu unserer Zeit avantgardistisch war, in den

90ern zu einem Stile-Mix, gar zu einer Stile-Explosion

führte, verabschiedeten wir uns aus der Popwelt,

zogen uns nicht nur zurück, sondern entzogen uns.

Eine Rolle nahmen wir schon gar nicht mehr ein. Wir

waren wir, fernab von ständig neu entstehenden

Musikszenen. Wir kümmerten uns nie, um das, was

um uns herum geschah. Wir schafften unsere eigene

Nische mit ihrem eigenen Markt, eine Nische, in

der wir noch heute ungeachtet aller Trends herum

experimentieren können.

Was die Musik des 21. Jahrhunderts angeht, kann

ich nicht viel dazu sagen. Über Trends kann man

erst sprechen, wenn sie bereits realisiert sind. Aber

ich denke der Drum`n`Bass-Bereich wird sich noch

mehr hervortun.

Depeche Mode pflegten immer eine besondere

Beziehung zu Deutschland, insbesondere zu Berlin.

Beobachten Sie die politische oder gesellschaftliche

Entwicklung Deutschlands aus der Ferne?

Martin Gore: Ja, natürlich. Ich lebte um 1985 in

Berlin, also lange bevor die Mauer fiel. Und wenn

es jetzt z.B. um das Thema Rechtsradikalismus geht,

muß ich sagen, daß diese Szene bereits damals,

wenn auch nur im Kleinen bestand. Ich denke,

Rechtsradikalismus war damals im Osten so etwas

wie ein Gegenpol zur Sowijet-Politik. Aber im

21. Jahrhundert noch immer Idealen nachzulaufen,

die nicht nur veraltet, sondern auch schlichtweg

dumm und intolerant sind, ist wirklich wohl nur

als geistige Armut zu bezeichnen.

Das neue Album heißt ,,Exciter". Ein ebenso

,,aufregender" wie auch viel oder wenig sagender

Titel? Welche Bedeutung steckt dahinter?

Martin Gore: Was dahinter steckt? Nun, wir

mochten alle den Sound des ,,Ultra"-Albums. Und

,,Exciter" soll so etwas wie eine positive

Resonanz von uns selbst auf ,,Ultra" sein.

Und es ist gleichzeitig eine Referenz auf

,,Violator". Wir hatten immer mit dem Image

der Schwärze zu kämpfen, ,,Exciter" soll

uns davon etwas befreien und nicht das

Negative proklamieren, sondern die positive

Kraft wiederspiegeln.

Songs wie ,,Master and servant" oder ,,People

are people" machten Depeche Mode zu

Helden einer melancholisch distanzierten

Romantik. Welche Bedeutung haben solche

Songs für die Band heute, 17 Jahre danach?

Martin Gore: Wenn wir im Jahre 2001 auf die

Bühne gehen, versuchen wir nicht, noch einmal

zurück zu gehen, dafür haben wir uns künstlerisch

wie auch menschlich zu sehr weiterentwickelt.

Solche Songs waren Thema der ,,Singles-Tour".

Natürlich verliert ein Song nicht an Bedeutung,

aber die Art, ihn zu interpretieren und der

Wille ihn zu interpretieren ändern sich.

Fühlen Sie sich beim aktuellen Songwriting

in irgendeiner Art und Weise unter Druck

gesetzt, solche Songs übertreffen zu müssen,

weil die Erwartungshaltung der Fans so groß ist?

Martin Gore: Davor ist man nie gefeit, aber

ich denke, Depeche Mode ist derzeit an einem

schwierigen Punkt der Existenz angelangt. Depeche

Mode hat zum einen Geschichte, schaut aber

Andererseits in die Zukunft und möchte sich

selbst nie kopieren. Andererseits orientieren

sich die Fans nicht nur an unserem neuen Material,

sondern haben in der Konfrontation mit dem

Neuen immer auch das Alte im Kopf. Die Kunst,

die eigene Kunst nicht klonen zu müssen,

um weiterhin erfolgreich zu sein, liegt nicht

in der Perfektion der Kopie, sondern im

Spaghat der Neuerfindung ohne Selbstverleugnung.

Es klingt etwas kompliziert, dokumentiert aber

genau die derzeitige Situation von Depeche Mode.

Würden Sie zustimmen, wenn man das komplette

Album als Schritt in eine Neuerfindung des

Depeche Mode-Sounds beschreibt und die

Musik Depeche Modes 2001 als ,,elektronischer

Blues" bezeichnet?

Martin Gore: Nun, eine Form des ,,elektronischen

Blues" haben wir in der Tat schon zu Zeiten von

,,Violator" präsentiert, auch ,,Personal Jesus"

war sehr bluesorientiert. Zu ,,Exciter" würde ich

sogar sagen, daß wir uns an der Musik der 50er- und

60er Jahre angelehnt haben, und sie mit dem

,,Ultra"-Sound kombiniert haben.

Wir sprachen vorhin über das Tribute-Album.

1994 coverten Sie selbst den Leonard Cohen-Song

,,Coming back to you" für dessen Tribute-Album?

Wie sieht es mit weiteren Cover-Songs aus?

Martin Gore: Eigentlich sollte der ,,Coming back

to you"-Song ein Depeche Mode-Projekt werden.

Doch die Anfrage sich an dem Projekt zu

beteiligen kam zu einer ungünstigen Zeit. Dave

war damals nicht so gut drauf und es war die Zeit nach unserer

langen Welttournee 1993. Andererseits war mir

das Cohen-Projekt zu wertvoll, um darauf zu

verzichten. Also veröffentlichte ich den Song

in eigener Regie. Ich hoffe, es gibt noch einmal

ein solches Tribute-Album, ich würde mich jederzeit

wieder daran beteiligen.

Wo liegt die Verbindung zwischen einer Elektro-Pop-

Band und einem Rockpoeten?

Martin Gore: Leonard Cohen's Musik zähle ich zu

meinen größten musikalischen Einflüssen. Auch wenn

das etwas seltsam klingen mag, für einen Gitarristen

und Songwriter einer Elektro-Band wie Depeche Mode.

Ich mag Cohens emotionales Level, außerdem

unterstelle ich ihm, ähnlich zu arbeiten wie wir. Zunächst

erfasst du einen Song mit Gitarre oder Piano, legst

das Fundament eines Liedes, erst danach gehe ich

daran, ihn mit elektronischen Instrumenten zu

würzen. Egal, welche von den großen Songwritern

wie z.B. Leonard Cohen, Bob Dylan oder Lou Reed

betrachtet, sie machen nie den Fehler, ihre Songs zu

überladen.

Aber bevor wir vielleicht irgendwann noch einmal

an einen Cohen-Song gehen, veröffentlichen wir

auf der zweiten Single-Auskopplung einen alten

,,Stooges"-Song als Bonus-Track.

Verbindet vielleicht auch das ,,schwarze Image"

von Depeche Mode mit der Melancholie der

Songwriter?

Martin Gore: Die Verbindung liegt im Kontroversen.

Zum einen wurde ich wirklich von den traditionellen

Songwritern wie John Lennon, Neil Young oder

gar Leonard Cohen beeinflußt, wollte aber gleichzeitig

nie so sein wie sie. Ich war immer nur von ihren Songideen

fasziniert, und wollte einfache traditionelle Songs

elektronisch und modern gestalten.

Was war der Grund mit dem neuen Produzenten

Mark Bell zusammenzuarbeiten?

Martin Gore: Immer mit demselben Team zusammen

zu arbeiten fördert nicht immer die Kreativität.

Man wird bequem. Unsere Alben liegen zeitlich

weit auseinander. Ein neues Produzententeam

wirkt wie Salz in der Suppe. Tim, unser letzter

Produzent z.B. war mehr ein Konzeptionist. Er

hörte sich unsere Songs an, dachte darüber nach

und legte uns mehrere Song- und Soundkonzepte

vor. Mark z.B. war spontaner und physisch

präsenter, hörte einen Song und spielte bereits

am Mischpult herum, bevor der Song zu Ende

war. Er lebt die Songs mehr körperlich.

Von welcher Art von Musik ließ sich Depeche Mode

im Songwriting-Prozeß beeinflußen?

Martin Gore: Da kann ich keine bestimmte Stilrichtung

oder gar Band namentlich nennen. Aber ich mag

grundsätzlich alles, was minimalistisch angelegt ist.

Etwas, was Freiraum läßt und nicht überarrangiert

ist.

Welche der neuen Songs werden ins Live-Repertoire

Übernommen?

Martin Gore: Ich weiß es noch nicht. Ich könnte mir

gut vorstellen, fünf bis sechs der neuen Songs,

und vor allem hierbei auch die langsameren Songs

zu berücksichtigen.

Aber bei Depeche Mode ist es schwierig live spontan

zu reagieren. Wenn wir z.B. auf Tournee gehen,

bereiten wir ca. 30 Songs vor, speisen sie im Computer

ein, um sie sowohl licht- und soundtechnisch so

zu präsentieren, wie sie uns gefallen. Pro Konzert

wählen wir dann etwa 20 davon aus. Irgendetwas

völlig spontanes zu spielen ist im Rahmen unseres

Soundgefüges quasi unmöglich, weil jeder Song

extrem viel Vorbereitung benötigt.

Depeche Mode war stets mit dem Etikett einer

Independent-Band behaftet. Mittlerweile wird

Depeche Mode als ,,Klassiker" gehandelt. Glauben

Sie, ,,Depeche Mode" könnte in 20 Jahren einen

solchen Stellenwert bekommen, wie ihn heute

die ,,Rolling Stones" innehaben?

Martin Gore: Obwohl ich mich dagegen wehre,

das zu verneinen, ist es schwierig soweit voraus

zu denken. Bei Depeche Mode geht es nicht um

Stellenwerte, dafür haben wir stets zu autark ge-

arbeitet. Wir arbeiten nicht, um Hits zu landen,

sondern um zu unterhalten. Wenn dies auch

noch in 20 Jahren so sein wird und wir in der Lage

sind, immer noch unterhalten zu können, warum also

nicht? Aber grundsätzlich leben wir für den Moment.

Christof Graf

A

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