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Foto: Christof Graf

VIII. The Cohenpedia - Leonard Cohen von A - Z

(Quelle: Christof Graf`s Bücher über Leonard Cohen - ,,Partisan der Liebe" (1996) und ,,Titan der Worte" (2010)

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Jenkins, Katherine über Leonard Cohen

In England ist die 29-jährige Mezzosopranistin ein Superstar. Eine, die alle hören wollen; eine, die alle sehen wollen. Jetzt geht sie mit der Kraft ihrer Stimme und ihrer einzigartigen Ausstrahlung mit fünf Nummer-Eins-Alben, drei "Classical Brit-Awards" und insgesamt über drei Millionen verkauften Alben weltweit auf Tournee und stellt ihr aktuelles Album "Believe" vor.

Trotz ihres Mega-Erfolgs blieb die außergewöhnlich attraktive 29-Jährige bodenständig und konzentrierte sich voll und ganz auf die Musik. Zuletzt reiste sie nach Los Angeles, um dort mit dem Starproduzenten David Foster ihr neues Album "Believe" aufzunehmen, auf dem sie Welthits wie Queens "Who Wants To Live Forever", Edith Piafs "La Vie En Rose" oder Bob Marleys "No Woman No Cry" neu interpretiert.

Mit dem Believe-Programm und weiteren Cover-Versionen wie z.B. Leonard Cohens "Hallelujah" und einem Bühnen-Orchester geht "La Jenkins" nun erstmals auf Deutschlandtournee. "Für mich gibt es nicht diese meist zu ernst genommene Trennung zwischen E- und U-Musik. Für mich ist Musik dafür da, Grenzen zu überschreiten und nicht Grenzen zu setzen", sagt die stimmgewaltige Künstlerin und kündigt ein fast zweistündiges Konzert für alle Sinne an.

Nach ihrer Ausbildung an der Royal Academy Of Music in Großbritannien wurde Katherine Jenkins durch zahlreiche Auftritte bei den renommiertesten Veranstaltungen landesweit bekannt. Mit ihrer großen Stimme und ihrem natürlichen Charme erschloss sie sich schnell eine breite Zielgruppe über den reinen Klassikmarkt hinaus. Die Veröffentlichungen ihrer Alben veranlasste die britische Presse regelmäßig zu lobenden Superlativen. Fünf ihrer Alben gingen direkt auf Platz Eins der Klassikcharts, ihr 5. Album "Rejoice" schaffte den direkten Einstieg auf Platz 3 der englischen Popcharts, ihr aktuelles Album "Believe" ist auf Platz 6 der Popcharts eingestiegen.

Bei der Arbeit an ihrem neuesten Album "Believe" wollte Katherine Jenkins den Schritt in den Crossover noch weiter vollziehen. Anders als bei den bisherigen Alben überwiegen die neuinterpretierten Popsongs im Vergleich zu den Klassik-Perlen. Fast schon spielerisch vereint sie auf ganz eigene, außergewöhnliche Weise Gothic-Rock-Stücke (Bring Me To Life) mit klassischen Highlights (La Califfa) oder einen der bekanntesten Reggaehits (No Woman No Cry). Das Bindeglied - ihre Stimme. Mit Andrea Bocelli sang sie gemeinsam das von David Foster geschriebene Duett "I Believe". Katherine Jenkins interpretiert den Begriff Klassik-Crossover erquickend neu. Sie verbindet hierbei populäre Musik mit einer klassischen Opernstimme. In Deutschland begeisterte sie bereits beim Boxkampf von Steffen Kretschmann über 2,75 Mio. Fernsehzuschauer und nimmt nun Anlauf, eine Melange aus Anna Netrebko, Montserrat Caballé und Sarah Brightman zu werden.

Im Gespräch gibt sich die Künstlerin ganz als Frau von Welt, etwa bei der Frage, inwiefern sie das Gefühl habe, mit dem Album "Believe", einen Traum wahr werden zu lassen, wie sie es in den linernotes beschreibt. "Believe ist zugegebenermaßen mein kommerziellstes Album, das ich je gemacht habe. Es war die Chance mit so populären Persönlichkeiten wie eben David Foster oder Michael Bublè zusammenzuarbeiten und es ermöglicht mir nun auch ein größeres Publikum zu bedienen als nur das Klassik-Publikum."

Stört es Sie da nicht, wenn oft diese strikte Trennung von E- und U-Musik vorherrscht, gerade in Deutschland?

K. Jenkins: Nein, im Gegenteil. Ich denke, die Zeit war noch nie besser für derartige Cross-Over-Musik, die Vermischung von Musikstilen. Gerade junge Menschen sind wesentlich toleranter und offener für das Aufheben von Grenzen und, so denke ich, der Reiz eine klassisch geprägte Stimme Popsongs singen zu lassen, ist heute um so viel größer - aber gleichzeitig auch nicht mehr derart spektakulär, als dass es Puristen zu Boykotts aufrufen würde. Im Gegenteil.

Gibt es überhaupt noch diese Unterschiede?

K. Jenkins: Oja. Ich denke, die meisten klassischen Musiker genossen, wie auch ich, eine bestimmte Ausbildung. Stimmlich oder auch an Instrumenten. Künstler der Populären Musik, besonders Sänger, gehen nicht selten autodidaktisch an die Musik heran. Ich kenne kaum Rocksänger, die Gesangsstunden nahmen. Wobei es Mick Jagger nachgesagt wurde, dass er zu Beginn seiner Karriere Gesangsunterricht nahm. Eine klassische Gesangsausbildung erfordert stets sehr viel Disziplin, welche bei Künstlern im Rockbusinness auch nicht kontinuierlich zu entdecken ist.

Fühlen Sie sich nach der Caballé, nach der Netrebko als eine Art neue Botschafterin der Klassischen Musik, die dank moderner Marketingmechanismen neue Brücken zur Populären Musik bauen soll?

K. Jenkins: Wenn es so sein soll, gerne, aber es ist nicht professionell geplant. Es ist eher die Folge einer Karriere, die Schritt für Schritt nach vorne geht. Ich stamme aus einer nicht sehr privilegierten Familie und habe mir alles von Jugend an hart erarbeitet. Mein Kapital und mein Talent ist meine Stimme, die nicht bei einer Casting-Show entdeckt wurde, sondern mit 14 von meinem Musiklehrer, und die dann von Auftritt zu Auftritt, von Kritik zu Kritik weitergereicht und weiterempfohlen wurde. Der Schritt, den ich gerade gehe, ist der, über die englischen Grenzen, hinter denen ich schon recht populär bin, hinauszugehen. Ob dafür das Talent reicht, eine "neue" Netrebko oder Caballé zu werden, wird die Zukunft zeigen.

Im Popmusikalischen Bereich erkennt man ganz bestimmte Stimmen auf Anhieb. Joe Cocker, Leonard Cohen, Bob Dylan oder einen Freddy Mercury hört man unter Tausenden heraus. Wie ist das in der Klassik?

K. Jenkins: Nicht anders. Jede Stimme, egal welche Art von Musikstil sie verkörpert, hat wie ein Fingerabdruck ein Alleinstellungsmerkmal. Ich denke, es ist immer die Anmutung einer Stimme, die überzeugt, egal, welches Lied sie singt.

Wer sucht die Coverversionen auf Ihren Alben aus?

K. Jenkins: In der Regel der Produzent, wobei ich mich schon mit Ideen einbringe. Es macht keinen Sinn, Lieder zu interpretieren, die einem selbst nichts sagen. Ich singe gerne jene Lieder, die über das Lied hinaus etwas zu "sagen" haben. Als kleines Mädchen haben mich immer die Diven fasziniert, wie z.B. Judy Garland, Barbara Streisand, Marilyn Monroe oder Edith Piaf. Aber auch Madonna, Whitney Houston und sogar Lady Gaga sind Diven von heute, die mich sehr inspirieren. Deren Lieder lasse ich immer wieder gerne an mich heran, weil sie ein Image verkörpern, das mir nahe ist.

Welches?

K. Jenkins: Ich bin wohl der Typ von Frau, der im Englischen als ein "A Girl`s Girl" bezeichnet wird, ein typisches Mädchen, eine typische Frau eben, die all das mag, was eine Frau ausmacht: Make Up, Mode, Eleganz und genau das Image lebe ich. Ich brauchte nie ein Image, ich bin, was ich bin.

Welche Bedeutung haben für Sie die großen Singer/ Songwriter der Rockmusik der vergangenen Jahrzehnte?

K. Jenkins: Eine sehr große, weil z.B. Musiker wie Bob Dylan eben genau solche Songs geschrieben haben, von denen ich vorhin sprach: Songs, die über das Lied hinaus etwas zu erzählen haben. Es gibt nicht so viele solcher Künstler und Lieder, die von sich behaupten können, solches Liedgut herstellen zu können. Leonard Cohen ist ein ebensolcher. Ich liebe seine Lieder und seine Stimme.

Haben Sie hierbei ein bestimmtes im Ohr?

K. Jenkins: Ich liebe all seine Lieder. Aber "Hallelujah" ist mein Lieblingslied, das ich auch schon aufgenommen habe und oft live singe.

Gibt es dazu eine Geschichte?

K. Jenkins: Leider keine, die mit Leonard Cohen persönlich zu tun hat, obwohl ich ihn wirklich einmal gerne kennenlernen würde. Die Geschichte ist eher wohl die, die irgendwie alle zu erzählen haben: Nämlich die, dass ich den Song zum ersten Mal bei einem Freund hörte, der mir sagte, dass der Song von Jeff Buckley sei. Erst viel später, als ich mir die Platte von Buckley kaufte, stellte ich fest, dass der Song von Leonard Cohen ist. Ich kaufte mir daraufhin "Various Positions", das Album mit der Originalversion von Hallelujah". Das war der Beginn meiner Liebe zu Leonard Cohens Liedern.

Sie haben das Lied auf einem Ihrer Alben veröffentlicht, das viele religiöse Lieder enthält. Ist Cohens "Hallelujah" für Sie ein religiöses Lied?

K. Jenkins: Es ist ein spirituelles Lied, das nicht unbedingt zu einer bestimmten Religion gehören muss. Von dieser Art von Liedern hat Leonard Cohen viele geschrieben. Er weiß mit Worten, Melodien und Stimme so zu arbeiten, dass sich Menschen in ihrer Spiritualität darin wiederfinden. Wenn einem Künstler oder Musiker so etwas mit seinem Lied gelingt, ist es das perfekte Glück.

Gibt es noch weitere Songs von Cohen, die Sie gerne covern würden?

K. Jenkins: Ich könnte quasi jeden seiner Songs covern, so sehr liebe ich seine Musik. Cohens Lieder verdienen es noch in hunderten Jahren gesungen zu werden.

Was fast wie ein Liebesbekenntnis klingt...

K. Jenkins: ... zumindest an an sein Liedgut.

Was würden Sie ihn fragen, wenn er gerade die Tür reinkäme?

K. Jenkins: Was er z.B. gedacht hat, als er "Hallelujah" komponierte, von was er sich inspirieren ließ.

Von was lassen Sie sich inspirieren?

K.Jenkins: Von Liedern, die das Potenzial haben, noch in Hunderten von Jahren gehört zu werden.

Foto: Christof Graf

Bildzeilen: Katherine Jenkins - eine englische Lady mit Hang zu großem Liedgut

Quelle: Christif Graf in HÖRERLEBNIS, Ausgabe Dezember 2010

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