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VIII. The Cohenpedia - Leonard Cohen von A - Z

(Quelle: Christof Graf`s Bücher über Leonard Cohen - ,,Partisan der Liebe" (1996) und ,,Titan der Worte" (2010)

J

Jackson, Michael (1958-2009)

Leonard Cohen hat in seinem langen Künstlerleben mit vielen Künstlern zu tun gehabt. U.a. auch 1x mit Michael Jackson, als er zusammen mit diesem bei einer Gala-Show eingeladen war.

Anbei ein Artikel des Autors in der Auagabe Nr. 70 des HÖRERLEBNIS. Der König ist tot, lang lebe der König - Über den Medien-Hype des verstorbenen "King Of Pop" Michael Jackson (1958-2009). "Jackos letzte Chance" titelten die Medienagenturen am 5. März 2009. "This Is It - Das ist es" sollte der Name der Serie von zehn Konzerten mit der Pop-Ikone Michael Jackson sein. Damit wollte der seit 1993 wegen Kindesmissbrauchs in die Schlagzeilen geratene und selbst ernannte "King Of Pop" ein weltweites Comeback starten. Zehn Mal hintereinander wollte er ab dem 13. Juli 2009 die O2-Arena in London füllen. Dies zumindest gaben er und seine Promoter im März bei der mit großer Erwartung anberaumten Pressekonferenz in London bekannt. Kurze Zeit später waren es plötzlich 50 Konzerte, die da stattfinden sollten. Und das seltsam-bizarre wie genial-faszinierendste (eine Mischung übrigens, die das gesamte Leben von "Jacko" am besten beschreibt) an all dem war, dass die ersten zehn Konzerte auch prompt ausverkauft waren. Doch kurz vor der London-Premiere, mitten in den Rehearsals überraschte die Welt am 25. Juni 2009 die globale Headline: Michael Jackson ist tot. Aus "This Is It" wurde nun plötzlich ein "That`s it". Seit dem wurde aus dem Ende des "King Of Pop" der Beginn einer unabsehbar andauernden "neverending story" der wohl schillerndsten Pop-Figur des 20. und 21. Jahrhunderts.

Was bei Michael Jackson, der seit seinem fünften Lebensjahr mit seinen Brüdern unter dem Namen "Jackson 5" auf der Bühne stand, nicht mehr zu trennen ist, ist die Melange aus Mensch und Medienfigur. Nichts geschah, ohne dass die Medien daran teilhatten. Ein Privatleben hatte er seit seinem 5. Lebensjahr nicht mehr. Selbst die Misshandlungen seines Vaters Joseph Jackson, der Michael zum "Leadsinger" der Jackson 5 machte, blieben der Öffentlichkeit nicht verborgen. Zehn Jahre später ging Michael seinen eigenen Weg. Mit Quincy Jones als Produzenten verließ er das Jackson-5-Label "Motown" und veröffentlichte sein erstes Solo-Album bei Sony/ Epic. "Off The Wall" (1979) verkaufte sich 20 Millionen Mal. 1982 folgte "Thriller", das sich mindestens 104 Millionen Mal verkaufte. Damit wurde "Jacko", wie ihn seine Fans liebevoll zu nennen pflegten, zum Mega-Star. 1983 wurde er mit seinem "Moonwalk" bei einer Performance von "Billie Jean" weltberühmt. Doch der Erfinder vom "Moonwalk" ist er dennoch nicht: Ein französischer Pantomime namens Dubureau führte ihn angeblich schon im 18. Jahrhundert vor.

1988 war ein magisches Jahr für Jacko: Nach dem "Bad"-Album (1987) ging er auf eine erste Mega-OpenAir-Welttournee. In Deutschland spielte er auf dem Hockenheimring vor knapp 100.000 Menschen. Von den Erlösen kaufte er sich die "Neverland-Valley-Ranch". Eine weitere Station seines karrierereichen Lebens fand 1991 mit der Veröffentlichung von "Dangerous" statt. 1992 folgt die dazugehörige Welttournee, die als "Open Air-Mega-Spektakel" angelegt ist: 69 Events, zu denen 3,5 Millionen Fans pilgern. Jackos populärster Auftritt findet am 1. Oktober in Bukarest statt. Übertragen wird die Show weltweit in 60 Länder. Das zweistündige Live-Spektakel wird seit Jackos Tod noch immer regelmäßig auf N24 ausgestrahlt.

1993 beginnt der Fall. Im TV gibt Jacko zu, schon mehrere Gesichtsoperationen hinter sich gebracht zu haben. Eine aufgrund seines immer femininer und jünger wirkenden Aussehens nicht mehr zu leugnende Tatsache. Dem Vorwurf des Kindesmissbrauchs entzieht er sich durch eine Zahlung von angeblichen 20 Millionen US-Dollar an den Vater eines 13-jährigen, der angeblich im Bett von Jackson übernachtet hatte.

1994 heiratet Jacko Lisa-Marie Presley, Tochter von Elvis Presley. Die als Medien-Gag inszenierte Heirat dauerte gerade einmal 20 Monate. 1995 erscheint "HiStory - Part I" und 1996/ 1997 gab es die dazugehörige Welttournee, die Jackos angeschlagenes Image wieder aufpolieren sollte. Er heiratet Debbie Rowe und wird Vater von "Prince Michael Junior" und ein Jahr später von Tochter "Paris Michael Katherine". 1999 folgt die Trennung. Musikalisch passiert jahrelang nichts. Das Studio-Album "Invincible" aus dem Jahre 2001 floppt. 2002 wird er zum dritten Mal Vater: "Prince Michael II." kommt zur Welt. Der Name der Mutter wird nie bekannt. 2003 wird er wegen Kindesmissbrauchs angeklagt.

Bis 2005 zieht sich der Prozess hin. Musikalisch passierte nichts mehr. Jackson erlebt als mediales Ereignis eine zweite Karriere als nicht mehr wegzudenkende Medienfigur der Weltöffentlichkeit. Und obwohl er in allen Punkten von der Jury freigesprochen wird, bleibt dennoch der Verdacht der Pädophilie, den Jacko durch skurrile Äußerungen in seinen seltenen Interviews auch noch schürt. 2006 bekommt er zwar den "Legend Award" bei den MTV Music Awards verliehen, doch unterstreicht dieser nur einmal mehr, dass der Endvierziger mehr Legende denn lebendiges Wesen ist. Zu unglaubwürdig sind seine Erklärungen über das zunehmende Weiß-Werden seiner Haut, welches angeblich einer Pigmentkrankheit geschuldet sein soll, zu skurril wirken seine zahllosen chirurgischen Eingriffe, die er abstreitet und zu skurril sind seine Auftritte mit seinem Affen als "Lebensgefährten" oder mit seinem Baby, das er bei einem Aufenthalt 2002 über die Brüstung eines Berliner Nobel-Hotels hält. Musikalisch passierte nichts mehr, aber bei all den anderen Dingen, wie z.B. dem Aufkauf der insgesamt 251 Beatles-Song-Rechte (bereits 1985) bis hin zu seinem Nomadenleben Ende der 2000er von Bahrain nach Irland und von dort nach Las Vegas flüchtete er stets vor den Medien. Es waren aber genau diese treuen, wissbegierigen, gnadenlosen Weggefährten, die ihn bis in den Tod begleiteten. Und sogar im Tod konnte Jacko dem Medien-Hype nicht entrinnen. Die TMZ-Server aller großen Internetdienste brachen zur Todesmeldung zusammen. AOL und GOOGLE lagen brach. 30 Nachrichtenseiten zeigten eine Fehlermeldung aufgrund von Überlastung. Selbst TWITTER versagte, nachdem binnen einer Stunde 100.000 Kurztexte auf die Seiten gestellt werden wollten. In WIKIPEDIA tobte unter den Web-Autoren ein Streit über die Erstmeldung des Todes und über die Updates seiner Karriere. Und dann kamen die Fernsehsender, Hörfunkstationen und Tageszeitungen, die sich mit Specials und Extraseiten und Sonderausgaben nur so überschlugen. Einen derartigen Media-Business-Hype hatte es noch nicht einmal zu Lady Di`s Tod gegeben. Selbst die BILD-Zeitung, die nach immer neuen Themen sucht, abonniert das Thema Michael Jackson zwei Wochen lang auf der Titelseite. Von der Meldung "Der King Of Pop starb mit 50 - Hier verliert er den Kampf um sein Leben" (27.06.), über "Todesakte Michael Jackson" (29.6.) oder "Jetzt spricht der Leibarzt" (30.06.) und "Das Testament" (01.07.) bis hin zu "Beerdigung im Goldsarg" (04.07.) wurde auch nach Michaels Tod alles medial beleuchtet. Er bekam, was ein "König des Pop" verdient: "Die letzte große Show". Aber was bleibt? Das Gesamtkunstwerk "Michael Jackson", das doch vielmehr nur noch ein Kunstprodukt seiner selbst war? Eine lebende Ikone, die nur noch durch Fotos von entstellten Nasen und einer Piepsstimme, die "I Love You" hechelte, künstlich in der Medienwelt am Leben erhalten wurde? Nein, das Gesamtkunstwerk besteht aus mehr. Auch aus mehr als den mutmaßlichen 500 Millionen Dollar (= 360 Millionen Euro) Schulden, die er hinterläßt. Im Gegenzug soll sein Vermögen etwa 1 Millarde Dollar (= 715 Mio Euro) betragen. Doch da ist mehr! Mehr auch als die Ironie des Schicksals, dass der so gejagt "Böse" und (stets im Verdacht des Kindesmissbrauchs stehende) zurückgezogen lebende Michael Jackson, plötzlich wieder der "Gute" sein soll, nur weil er tot ist?

Längst ist der Künstler und der Mensch hinter dem medialen Gesamtkunstwerk in seinem 50-jährigen Leben zu einem unaufbrechbaren Konkon mutiert, der nur - so traurig und hart es klingen mag - durch den Tod erlöst werden konnte. Elvis Presley starb, Jimi Hendrix, Jim Morrison und Janis Joplin ebenso. Freddie Mercury, Kurt Cobain und Falco auch. Doch keiner wurde jemals so medial gejagt wie Michael Jackson. Vielleicht waren es noch nicht einmal die Paparazzi oder die Tabletten oder die zu späte Hilfe, vielleicht war es nur der übermenschliche Druck auf ein nicht-übermenschliches Wesen, das diesem nicht standhielt. Aber was bleibt? Michael Jackson ist tot. Aber seine Musik lebt! Seit "Jackos" Tod sind die "MEDIA-Märkte" wieder stapelweise voll mit Jacko-Alben und AMAZON verzeichnete noch Wochen nach dem 25. Juni 2009 Michael Jackson auf den ersten zehn Plätzen der Top-Ten. Innerhalb von nur einer Woche wurden plötzlich Lieder eine Million Mal im Netz herunter geladen. In den Charts von MEDIA CONTROL schossen 22 alte Single Hits in die Top 100. Die Frage "Was bleibt?" ist so einfach wie genial: Kein Künstler zuvor hat jemals diese globale Popularisierung geschafft. Von 100 Befragten kennen 99 McDonalds. Michael Jackson kennen aber 100 von 100 - und das weltweit. Niemand anderes konnte die globale Multimedialisierung derart in Szene setzen, wie "The King Of Pop". Und kein anderer hat diese noch weit über den eigenen Tod hinaus zelebriert. Das bleibt!

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